Faszination Zollernalb

Erschienen auch bei Motorrad & Reisen im Heft 84.

Text: Werner & Franz Kirchhoff
Fotos: ADDI creare-imagos,

Vom Schwarzwald in den nahe gelegenen Süden der Schwäbischen Alb

Vorgeschichte
Ausgerechnet der im Süden der Schwäbischen Alb gelegene Zollernalbkreis mit seiner hoch über allem thronenden Burg Hohenzollern hat es direkt nach der hinter uns liegenden START OF SEASON TOUR nicht nur auf Platz 1 der für 2017 anstehenden Reiseliste geschafft. Vielmehr noch hat sich diese südwestdeutsche Mittelgebirgsregion, die uns in früheren Jahrzehnten nicht einmal annähernd interessierte bzw. an die wir uns auch nicht erinnern können, zu dem frühjährlichen Top-Objekt unserer Motorradbegierde schlechthin entwickelt. Wie wir heute meinen, ist dies nicht zuletzt auch dem inzwischen sehr hochkarätigen, ja geradezu opulenten Messeauftritt dieser Region auf der CMT Stuttgart geschuldet, den wir zuletzt im Januar dieses Jahres bestaunen konnten.
Es sprechen auch noch viele andere Gründe für sie, was durch unsere nachstehende Reisebeschreibung wiederholt belegt wird. Vielleicht ist es gerade der spürbar mangelnde Wissensstand um diese mittlerweile so viel gepriesene Voralpenregion. Denn ursprünglich interessieren sich weder der Schwarzwälder und schon gar nicht der Nord-Schwarzwälder, wie wir zwei Bad Wildbader meinen, für diese doch eher vermeintliche Konkurrenz. Spätestens aufgrund der Tour dorthin sollten wir jedoch reichlich für unsere bis dato eher wagemutige oder zumindest zaudernde Entscheidung, eine Wochenendreise in diese Region zu unternehmen, belohnt und vor allem von unserem Irrglauben befreit werden.

Road Book

Hinfahrt
Bad Wildbad - Wildberg - Berneck - Mötzingen - Weitingen - Rangendingen - Hechingen - Jungingen

Rundfahrt
Jungingen - Burladingen - Winterlingen - Albstadt - Messstetten - Tieringen - Geislingen - Hechingen - Jungingen

Rückfahrt
Jungingen - Haigerloch - Renfrizhausen - Glatt - Schopfloch - Dornstetten - Freudenstadt - Igelsberg - Erzgrube -  Enzklöstere - Bad Wildbad

 

 

Abseits des Schwarzwalds
Im Übrigen wie eingangs bereits angemerkt: Abseits des Schwarzwalds ist hier im doppelten Wortsinn zu verstehen, da sich die in ihrer Fläche nicht minder große Alb zum einen nordöstlich und schräg gestellt zum Verlauf oder besser gesagt: zum Kamm des Schwarzwalds erstreckt. Als eigene, vor Millionen von Jahren zusammen mit dem Schwarzwald entstandene Gebirgsformation gipfelt sie im Süden mit der Zollernalb in ihren höchsten Bergen. Zum anderen ist abseits dort nach dem Motto „Das haben wir Schwarzwälder doch alles selbst und mehr als ausreichend davon – seien es nun Berge, Schluchten oder Täler" zu verstehen und damit ist für uns mehr als genug feinstes Motorradterrain gemeint.

BASIS-HOTEL – Aparthotel Schwarzwald Panorama Bad Wildbad
Es ist Samstagvormittag in der Woche nach Ostern mit strahlendem Sonnenschein und besten Vorhersagen. Allerdings herrschen immer noch winterliche Temperaturen, die ab circa 700 Höhenmetern den kürzlich gefallenen Schnee einfach nicht tauen lassen wollen. Nach dem obligatorischen Abschiedsfoto vor dem Bad Wildbader Basis-Hotel geht es zeitig auf Strecke: Franz auf der KTM 1050 ADV mit dem Geländereifen aus Heidenau und Werner diesmal auf der neuen Honda Africa Twin DCT mit Serienbereifung. Nur am Rande erwähnt, macht das Automatikgetriebe der Africa uns gerade ein bisschen Sorge, nachdem das Motorrad bei einer kleinen Ausfahrt am Vortag schon einmal kurz und ungewollt abgelegt wurde. Beim Wendevorgang in einer sehr steilen, 180 Grad starken Spitzkehre hätte Werner wohl mehr am Gas bleiben müssen, was sich natürlich ohne den gewohnten Kupplungsschliff nur schwer umsetzen lässt. Gewöhnungsbedürftig ist es daher auf jeden Fall.

Ein starkes Team
Mit von der Partie ist diesmal Addi als Fotograf, der von Werner mitgebracht wurde. Zusammen haben sie die weite Reise per PKW vom BASECAMP OSTSEE TOURER in der Hansestadt Stralsund aus angetreten. Das BASECAMP ist eine Unternehmung desAltstadt Hotels zur Post Stralsund. Außerdem ist unser Bruder Friedrich aus Bad Wildbad dabei, der das speziell für diesen Shooting-Zweck angemietete PS-starke BMW-Cabriolet fährt. Friedrich oder, wie wir alle sagen, Pitty, kennt die Gegend bestens und ist vor allem auch ein sehr erfahrener und routinierter Fahrer. Das Auto haben wir bei unserer Anreise aus Stralsund zwei Tage zuvor noch spät abends in dem mit Radarfallen förmlich verminten Zentrum von Stuttgart übernommen. Ursprünglich war ja eigentlich nur eine Wochenendtour, so ganz nach privater Natur von uns beiden Motorradfahrern geplant. Das wir jetzt, obendrein professionell per Cardo-Funk miteinander vernetzt, begleitet werden, haben wir uns selbst zuzuschreiben. Aber wer möchte seinen Gästen denn ein solches Erlebnis vorenthalten?

ON TOUR – Track 1 HINFAHRT

STARTETAPPE vom Aparthotel Schwarzwald Panorama Bad Wildbad
Am Samstagvormittag geht es nach der von unserem Freund Juri, Chef Tour Guide auf der START OF SEASON TOUR, mittlerweile eingeführten Aufstehregel „7 - 8 - 9“, soll heißen: „7 Uhr Aufstehen - 8 Uhr Frühstücken - 9 Uhr Rollen“, pünktlich um 9 Uhr los. Die Panoramalounge des Aparthotels gab ihrem Namen bei dem reichhaltigen Frühstück an einem Tag mit Wetter wie heute dabei übrigens besondere Ehre. Aus dem, wie bereits geschildert, rund um Bad Wildbad scheinbar nicht enden wollenden Motorradterrain fahren wir auf ganz gezielt ausgesuchten kleinen und wie immer kurvenreichen Sträßchen Richtung Süd-Südost, immer unser Zwischenziel Wildberg im Visier habend, das noch im Nordschwarzwald liegt. Schon nach den ersten knapp zwanzig Kilometern geht es hoch über die Enz-Nagold-Platte hinweg, auf der wir in diesem Abschnitt fast noch jeden Weg kennen. Doch anschließend führt die Strecke über bisher oft noch nicht eroberte Landstraßen. Dabei wechseln die Gefühle der Begierde ab zwischen dem Bestaunen von optimalen Fahrstraßen oder Chausseen und dem Genießen der idyllischen, noch nie gesehenen Landschaften. Jene über Altensteig mit dem eher abseits gelegenen Köllbachtal sowie dessen kleinen Seitentälern ist beispielsweise so eine. Auf diese Weise werden wir gleich zu Beginn unseres Ausflugs für alle Mühen der Vorbereitung mit Fahrgefühlen, die man sich kaum besser vorstellen kann, wie nie zuvor entschädigt.

STRECKENPLANUNG
Ungeachtet dessen, dass wir alle, außer Addi, aus der Region stammen, machten wir es uns nicht leicht und haben alle Zwischenziele vorher ausgesucht und gezielt definiert. In einer konzertierten Aktion zwischen Ostsee und Schwarzwald wurde die Tour im Vorfeld telefonisch und mit allen anderen uns zur Verfügung stehenden modernen Medien gründlich geplant, konzipiert und abgestimmt. Gründlich bedeutet jedoch nicht, dass wir uns sklavisch an den Tourenplan halten, sondern vielmehr nur so gut vorbereitet sind, dass auf unterwegs entstehende Eventualitäten jederzeit locker reagiert und ausgeglichen werden kann. Bei solchen Planungen ist immer wieder festzustellen, dass man sich durch die gezielte Auseinandersetzung mit dem Vorhaben und der Streckenführung danach weit besser auskennt und am Ende der Reise einfach wie selbstverständlich auf jeden Wegepunkt vorbereitet ist – und folglich mehr von der Reise hat.

Zwischen Laptop und Navi
Franz hat uns dabei gezeigt und letztlich unter Beweis gestellt, dass der Fahrspaß desto höher ist, je besser man sich mit unterschiedlichen Navigationsmöglichkeiten und entsprechenden Geräten auskennt und diese vom Rechner auf das entsprechende Navigationsgerät bringt. Zugegeben, die Auseinandersetzung und das gründliche Studium der Gerätschaften im Vorfeld ist dafür Voraussetzung. Doch gerade daraus resultiert auch das Kennenlernen von Sträßchen, die man in Bezug auf die Gesamtroute tatsächlich allein kaum finden würde. Am Ende gilt unseres Erachtens in der doch häufig zu hörenden Diskussion um das Weh und Leid der Navis gegen die altbewährte Landkarte: Alles zu seiner Zeit und am richtigen Platz, entsprechend dem jeweiligen Vorhaben mit der passenden Fach- und Sachkenntnis klug eingesetzt, ist richtig und passt.

PAUSE in WILDBERG
Noch am frühen Vormittag und bei bestem Wetter ist mit Wildberg das erste Zwischenziel erreicht. Wildberg ist eine der drei Schäferlaufstädte im Nordschwarzwald und liegt in einer landschaftlich besonders reizvollen Lage des Nagold-Tals an der Schnittstelle zwischen Nord-Schwarzwald und dem Hecken- und Schlehengäu. Imposant ist es, während der Fahrt zu sehen, wie sich die Häuser an die natürliche Felswand des steilhängigen Ortes schmiegen.

Von knapp 630 Metern Höhe geht es hier in gefühlt nur einem Kilometer hinunter ins Nagold-Tal auf lediglich noch 350 Metern. Dort unten im geschichtsträchtigen Klosterhof Wildberg flanieren wir zur Pause durch die großzügige Parkanlage dieses Museums. Gönnt man sich eine längere Pause, bietet sich diese auch als Gang durch die Stadtgeschichte an. Der Kiosk auf der daneben liegenden Minigolfanlage hat um 11 Uhr leider noch geschlossen, sodass wir, der Not gehorchend, die erhoffte Brotzeit auf unterwegs verschieben.

ZIELETAPPE
Taff geht es weiter von hier, immer noch in dieselbe Richtung nach Süd-Südost, über Mötzingen und Rangendingen dem ersten großen Ziel Hechingen auf der Zollernalb entgegen. Inzwischen wird andauernd mit offenem Dach gecruist und Addi hat uns, gegen die Ost-Sonne fahrend, voll im Fokus. Auch auf diesem Streckenabschnitt gäbe es, gleich der ersten Etappe zuvor, genügend Sehenswürdigkeiten wie Burgen und Schlösser zu bestaunen, welche bereits allein die Tour nach Hechingen und zurück zu einem mehr als ausgefüllten Tagesausflug werden ließe. Dort tut sie sich nun auch schon auf, die kleine Einkehrgelegenheit kurz nach Mötzingen in Baisingen (Rottenburg am Neckar) bei dem direkt an der Straße liegenden Bäcker Kallbacher. Dieser wiederum empfiehlt uns, super freundlich und ganz uneigennützig, zu einer deftigen Brotzeit die nur unweit entfernte Metzgerei. So werden die von Addi und Pitty organsierten vier leckeren schwäbischen Leberkäs-Weckle mit Sicht auf die immer näher kommende Alb gleich einmal als Gelegenheit der effektiv zeitsparenden Ersatz-Mittagsmahlzeit verstanden und angenommen.

ANKUNFT auf der Schwäbischen ALB – HECHINGEN
Ungeduldig und mit großen Erwartungen fahren wir weiter und erreichen ungeahnt schnell, nach nur einer größeren Pause und noch nicht einmal 120 Kilometern, trotz kurvenreicher Strecke bereits um die Mittagszeit den Stadtkern Hechingens. Als drittgrößte Metropole des Zollernalbkreises und ehemalige Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Hohenzollern gilt sie noch heute als die am nächsten mit der Burg Hohenzollern verbundene Stadt. Umgekehrt scheint dies ebenso der Fall zu sein. Mit einer unterdessen noch größeren Anspannung, die Burg bei dem jetzt so sonnigen Wetter ebenfalls gleich zu erreichen, begnügen wir uns am Marktplatz lediglich mit einem Kaffee. Doch halt! Die hier so typischen, einfach auf dem Blech dargebotenen schwäbischen Butterbrezeln verlocken doch noch zu einem eiligen Verzehr.

Publikumsmagnete
Unsere beiden Motorräder stehen währenddessen etwas weiter weg, jedoch, wie meistens bei uns, in Sichtweite. Offenbar mausern sich die beiden auf Reise ausgestatteten Enduros zum kleinen Publikumsmagneten. Insbesondere scheinen auch die für diese Region eher fremden Kennzeichen von großem Interesse zu sein. Prompt werden wir bei der Abfahrt auf die Nummernschilder angesprochen.
Witzig ist, dass unser Bruder Pitty spontan und ganz kokett darauf reagiert: „‚HST‘ steht für ‚Hechingen Stadt‘.“ – ganz klar im Rahmen der Kennzeichen-Neustrukturierung. Dies finden alle amüsant und wir machen natürlich gleich ein bisschen Werbung für die Ostsee, was bei unserer schwäbischen Mundart immer eine besondere Wirkung von Erstaunen zeigt.
Bevor wir uns jetzt hoch auf die Burg begeben, möchten wir vorab noch einige kurze Erläuterungen zur Zollernalb geben.

ZOLLERNALB
Auf und nach Anfrage zu den Recherchen unserer Tour vom Schwarzwald auf die Zollernalb werden wir unter anderem sehr kompetent, höchst professionell und jeweils äußerst freundlich von der dortigen Touristinfo beraten. Schon die uns zugegangenen Unterlagen, wie Prospekte, Broschüren und andere Infos, sind exzellent aufgemacht und wirklich nutzbringend. Ebenfalls sehr gut und aufgeschlossen werden wir von der Pressestelle der Burg Hohenzollern begleitet.

Präsentation – Zollernalb
Wenn es gilt, die früher auch als „Schwabenalb“ oder „Schwäbischer Jura“ bezeichnete Zollernalb kurz und bündig darzustellen, eignet sich hierfür sicher nichts besser als die Eigenvorstellung der regional Agierenden. So schafft es bereits das Anschreiben, das die Informationsunterlagen aus der Kreisstadt Balingen begleitet, die Charakteristik der Region so kurz, gut und knapp auf den Punkt zu bringen, dass wir dieses hierfür idealerweise nur zitieren müssen. Zitat aus dem April-Anschreiben der „Zollernalb-Touristinfo“ FERIENLAND HOHENZOLLERN E. V.: Die Zollernalb gehört zum höchsten Teil der Schwäbischen Alb. Quer durch den Zollernalbkreis zieht sich die beeindruckende Schichtstufe, der so genannte Albtrauf, und teilt die Landschaft in das liebliche Albvorland und die typische Albhochfläche. Einmalig sind die Spuren der Geschichte, die Kombination der romantischen Burgen und Schlösser und die Freizeitmöglichkeiten. Kunst und Kultur, Gaumenfreunden, Wandern, Radfahren sowie Abenteuer in ursprünglicher Natur lassen Sie den Alltag vergessen.

Wahrzeichen Burg Hohenzollern
Die Burg Hohenzollern als das Highlight der Zollernalb zu bezeichnen, wäre schon – in Anbetracht dessen, dass sie der Stammsitz des preußischen Königshauses und der Fürsten von Hohenzollern ist – zu locker und damit sicher vermessen. Da klingt und trifft es die Begrifflichkeit „Wahrzeichen der Region Zollernalb“, wie sie sich auf der burgeigenen Webseite selbst bezeichnet, sicher genauer und anschaulicher, zählt sie doch zu den schönsten und meistbesuchten Burgen Europas. Auf gut 850 Metern steht diese Gipfelburg in Alleinlage und mithin alles überragend, so erleben wir es selbst auf unserer Tour, sodass dieser prominente Bergkegel bei klarem Wetter oft auch aus weiten Entfernungen, etwa vom Nordschwarzwald aus, noch gut zu erkennen ist. Nebenbei gesagt, wenn sich die für die Öffentlichkeit der Burg verantwortliche Stelle mit „Besten Grüßen vom Zollerberg“ verabschiedet, mag sich dies zunächst amüsant und etwas nach Understatement anhören, tatsächlich jedoch ist das die volksmündliche und zugleich namensgebende Bezeichnung für die Zollernalb als Region und Kreis.

BURG – AUFSTIEG
Dann nehmen wir endlich den mit Spannung erwarteten Hauptabschnitt unserer Tour, den Burgaufstieg, in Angriff. Das Hechinger Rathaus haben wir uns vom Marktplatz aus noch kurz angesehen. Zuerst geht es nun, wie vom PR-Chef der Burg empfohlen, auf der K 7110 aus der Stadt heraus. Hier soll es mehrere Haltemöglichkeiten geben, von denen aus gute Fotoaufnahmen mit der Burg im Hintergrund machbar sind. Schon bald erhebt sich die Burg mit einem großen WOW-Effekt vor uns und in der Tat, die Sache mit den Parkbuchten funktioniert. Mit der Sonne im Rücken haben wir gleich nach den ersten Kurven die richtige Shooting-Location gefunden. Ungeahnt schnell ist es geschafft, die Burg von ihrer besten Seite und wir mit unseren Motorrädern davor im Kasten. Ob auf der Straße oder dem angrenzendem Wiesenweg, alles funktioniert in Windeseile und ohne jemanden zu behindern, sind wir gleich oben am Bus Parkplatz EINS.

BURG – BESUCH
Unsere Anmeldung liegt dort vor und wir werden sehr freundlich vom Parkplatzwärter empfangen. Er lässt uns die Motorräder so abstellen, dass er sie unmittelbar vor sich und damit im Auge hat. Das Auto gleich gegenüber geparkt, können wir die zu den Motorrädern gehörenden Utensilien im Parkhäuschen lassen und unmittelbar danach mit dem Shuttle-Bus, der im 10-Minuten-Takt unterwegs ist, nach oben fahren. Der Busfahrer, selbst begeisterter Motorradfahrer, interessiert sich natürlich stark für unsere Mopeds und wir führen in der kurzen Zeit ein ausgiebiges Fachgespräch über die von ihm schon endeckten Navigationsgeräte – auf Schwäbisch, versteht sich. Einen positiveren Einstieg in und auf die Burg kann man sich kaum wünschen und dementsprechend werden wir nun auch am Haupteingang, dem Adler-Tor, empfangen. Beeindruckend, der Ehrfurcht gehorchend und fast niederschmetternd zugleich, wirkt die Silhouette der traumhaften und bestens erhaltenen Burganlage auf uns alle. Mit Ausnahme von Addi erinnern wir uns alle zurück an unsere Kindheit, da stand ein Burg Hohenzollern-Besuch sozusagen als Pflichtprogramm auf dem Stundenplan jeder Abschlussklasse in Baden-Württemberg ganz oben. Sehr gründlich besichtigen wir die gesamte Burganlage und machen, wie alle Touristen, viele Fotoaufnahmen. Auf Anraten von Roland Beck, dem Chef der Öffentlichkeitsarbeit, ist es am günstigsten, einen Tag für den Besuch zu wählen, an dem das so genannte Königliche Flanieren stattfindet. Das bedeutet, man muss dann nicht unbedingt an einer Führung teilnehmen, sondern darf auf eigene Faust die Prunkräume der Burg erkunden, und zwar solange man möchte. Die Burgführer sind währenddessen trotzdem vor Ort, geben zu allem erklärende Auskünfte und beantworten gern Fragen. Diese Termine liegen auf Wochenenden, Feier- und Brückentagen, wenn der Besucherandrang erfahrungsgemäß sehr hoch ist, und sind auf der Website der Burg unkompliziert einsehbar. In den Innenräumen gilt hier strengstes Fotografierverbot! Die Burg stellt uns jedoch einige Fotos zur Veröffentlichung bereit. Mit dem guten Gefühl, alles, was wir uns vornahmen, auf der Burg und rund um diese herum erreicht zu haben, nehmen wir wieder Platz im Shuttle-Bus und fahren zurück zu unseren Motorrädern. Im Souvenir-Shop auf dem Parkplatz erwerben wir noch einige kleine Burg-Andenken für zu Hause.

FAHRT INS HOTEL POST JUNGINGEN
Mit dem Vorhaben, die Burg heute Abend noch einmal von anderer Stelle aus während des Sonnenuntergangs zu fotografieren, fahren wir erst einmal in Richtung Hotel nach Jungingen in das unserem Stralsunder Haus fast gleichnamigen Hotel Post zum Check-in.

Quartiereinnahme
Am späten Nachmittag kommen wir an und werden dort sehr zuvorkommend vom Hotelchef persönlich begrüßt. Die in der Woche zuvor telefonisch und direkt persönlich vorgenommene Reservierung bestätigt sich als richtig gewählte Form. So bekommen wir rasch zwei prima Motorrad-Stellplätze in der hierfür extra vom eigenen Oldtimer befreiten Garage zugewiesen. Auch die weitere Abwicklung beim Check-in gestaltet sich ausgezeichnet und schnell haben wir fürs Erste unsere sehr ordentlichen, gut ausgestatteten Zimmer bezogen. Schließlich wollen wir zum Sonnenuntergang gleich noch hinauf zur ebenfalls von der Burg empfohlenen Aussichtsplattform, das Zeller Horn. Knapp vor 18 Uhr gönnen wir uns auf der kleinen Hotelterrasse noch ein kurzes, kühles, alkoholfreies Weizen, bevor es zum vorläufig letzten Tageshöhepunkt noch einmal auf die Motorräder geht. Zuvor bestellen wir noch einen Tisch zum Abendessen für circa 21 Uhr. Auch dies klappt problemlos, denn die Küche ist auf Geschäftsreisende eingestellt und somit ohnehin bis 22 Uhr geöffnet.

Zeller Horn – Burg im Sonnenuntergang
Der Sonnenuntergang für diesen Tag ist um 20.17 Uhr angekündigt. So heißt es, möglichst um 19.15 Uhr am Zielort zu sein, um das ganze Prozedere des Sonnenuntergangs gut filmen zu können. Gut, dass wir genügend Zeit mitgenommen haben, denn versehentlich landen wir doch erst am Nägelehaus, von wo wir nun noch hinüber zum direkt am Traufgang gelegenen Zollersteighof fahren müssen. Doch wir fahren gern etwas hin und her bei so einmalig schönen, schmalen und interessanten, wie fürs Motorrad gemachten Pisten. Dies gilt im Übrigen auch für die gesamte Strecke dorthin über die Orte Killer sowie Onstmettingen und zurück. Jetzt heißt es dennoch, die circa 1,2 Kilometer zum eigentlichen Panorama-Platz zu Fuß zu marschieren. Mit Foto-Gepäck! Wir nehmen es sportlich-positiv und verstehen diesen Spaziergang als guten Tagesausgleich. Belohnt werden wir dann reichlich mit einer wirklich einmaligen Sicht auf die Burg Hohenzollern. Viele andere Fotografen gesellen sich zu uns, solange Addi das Stativ und weiteres Equipment aufbaut. So bekommen wir auch noch von dem einen oder anderen Ortskundigen nähere Tipps zu guten Perspektiven, die man allein, obwohl sichtbar naheliegend, gar nicht so schnell erkennen kann. Mit dem Wermutstropfen, dass die Sonne um diese Jahreszeit noch nicht ganz so hoch steht, dementsprechend ein bisschen weiter entfernt von der Burg untergeht und das Wetter etwas von Nebelschleiern geschwängert ist, machen wir nach eineinhalb Stunden Sundown Feierabend. Inzwischen ist es auch wieder eine Jacke kälter, wir nehmen diese aus den Koffern und bei flotter Fahrt geht es wieder hinunter – jetzt allerdings im Dunkeln – zum Abendessen ins Hotel.

ABENDESSEN IM HOTEL
Bis wir wieder im Hotel ankommen, ist es nun doch schon kurz nach 21 Uhr. Aber niemand stört sich daran, dass wir erst kurz vor 21.30 Uhr unsere Plätze im sehr gemütlichen, nach Landesart eingerichteten Restaurant einnehmen. Bei der ansprechenden Speisekarte fällt unsere Wahl natürlich allenthalben auf die Regionalgerichte. Wie man sieht, weiß auch Addi die schwäbische Küche inzwischen sehr zu schätzen, nur Wurstsalat mag er immer noch keinen. Zu einem erwartungsgemäß sehr guten Essen gibt es ein landestypisches Bier, und siehe da: Eine reiche Weinauswahl, die bis ins Badische Markgräfler Land reicht, ist auch vorhanden. So kommen alle auf ihre Kosten. Frisch gestärkt erkundigen wir uns, ob es vielleicht noch eine Art kleine Kneipe im Ort gibt. Dies scheint wohl nicht so einfach, dennoch empfiehlt man uns dann mit der Krone eine gleich ein Stück die Straße hinunter gelegene Gaststätte, in der man wahrscheinlich noch etwas bekommen kann. Gesagt, getan: Wir landen in der Krone.

Krone
Das der Name hier zum Programm oder besser noch: die Gaststube ihrem Namen gerecht werden soll, vermutet beim Betreten dieser eher bescheidenen Lokalität wohl keiner. Denn im Gegenteil beschleicht uns mehr das Gefühl, vielleicht gar nicht so richtig erwünscht zu sein. Dies kehrt sich aber schnell um, spätestens, nachdem man wahrnimmt, dass wir annähernd die gleiche Sprache sprechen und außerdem nicht zimperlich mit dem Anstoßen umgehen. Offensichtlich den Stallgeruch erkennend, dauert es nicht lange und wir bekommen heraus, dass man auch dem Thema Motorradfahren sehr offen gegenübersteht. Die meisten hier fahren selbst und haben im Hof oder besser gesagt: in der direkt daneben liegenden Scheuer etliches Interessante untergestellt. Es kommt sogar zu der einen oder anderen Besichtigung dieser teils mehr oder weniger befahrbaren Vehikel. Ferner stehen dort auch attraktive betagtere Traktoren, auf denen unser Bruder Pitty ausnahmsweise aufs Anlassen verzichtet. Um es kurz zu machen: Der Abend wird noch sehr vergnüglich, die Party ist schnell voll im Gange und am Ende verlässt keiner ungekrönt die gastliche Stube. By the way, die morgendliche Regel „7 - 8 - 9“, wird heute Abend gleich noch um zwei Stunden nach hinten verlegt. Und last but not least: Wir haben ein paar neue Kumpels auf der Alb und kommen wieder, mit oder ohne Motorrad.

FRÜHSTÜCK / CHECK-OUT
Erstaunlich früh, noch vor neun Uhr, finden wir uns alle ein im separaten Frühstücksraum und bedienen uns am gut und reichlich gedeckten Büfett. Wir lassen uns viel Zeit und halten das eine oder andere Schwätzchen mit Gleichgesinnten. Erneut kommen wir mit dem sympathischen Hotelkollegen ins Gespräch und erfahren so einiges aus der Geschichte und näheren Vergangenheit des Hotels, aber auch von ihm persönlich und den lokalen sowie eigenen Vorhaben. Auf dem Hof vor unseren Motorrädern treffen wir zwei Ehepaare. Man hört sofort, dass die Herrschaften aus unserer Ecke stammen, unweit von Bad Wildbad, und hier ein Wanderwochenende verleben. Sie sind voll des Lobes ob der vielfältigen und prächtigen Gegebenheiten der Albtrauf. Nicht minder soll der Albtrauf ja auch und gerade für Motorradfahrer beste Voraussetzungen bieten. Wir werden es gleich testen können!

Abschied
Die Rundtour Zollernalb steht heute ganz oben auf dem Tagesplan. Wie jetzt, Rundtour als Tagesprogramm? Ja, selbstverständlich! Dies ist kein Problem, denn mit gut 120 Kilometern sind die knapp eintausend Quadratkilometer Gesamtfläche des Zollernalbkreises schnell umrundet. Nebenbei gesagt, stimmt die Zollernalb als Region auch mit der des Kreises überein. Es versteht sich von selbst, dass wir uns im Hotel sehr persönlich bei Frau und Herrn Langbein verabschieden und ihnen besonders für die persönliche Umsorgung danken. Die Motorräder werden nun schnellstens abfahrbereit gemacht, denn Addi und Pitty warten im Führungsfahrzeug schon darauf, dass es endlich wieder losgehen kann. Alle winken und wir fahren vom Hof.

ON TOUR – Track 2 RUNDTOUR

STARTETAPPE – BURLADINGEN / BITZ
Vorweg sei gesagt, das wir den Streckenabschnitt von Hechingen über den Zollerberg nach Jungingen sowie den Weg hoch auf das Zeller Horn über Killer und Onstmettingen schon gestern erfolgreich absolvierten. Wie bereits festgestellt, könnte es fahrerisch kaum besser laufen und alle diesbezüglichen Erwartungen sind mehr als übertroffen und komplett erfüllt worden. Gern hätten wir uns in Jungingen noch den Starzel-Wasserfall angesehen, dies sollte aber in Ermangelung des nassen Elements zum momentanen Zeitpunkt nicht viel bringen. So starten wir in Richtung Süden und fahren mit einem kleinen Abstecher über Burladingen, vorbei an den beindruckenden Hallen von TRIGEMA, zunächst in den kleinen Ort Bitz. Hier soll es in der Eugenstraße 30 ein kleines Heimatmuseum geben. Doch weit gefehlt, da ist nichts. Oder finden wir es nur nicht? Wir fragen ganz einfach auf konventionelle Weise, und siehe da, eine nette Dame will es uns nicht nur zeigen, sondern bietet ebenfalls sofort an, den Zuständigen zu bitten, aufzuschließen und uns das Museum auch gleich vorzustellen. In mehreren Zimmern stellt das Heimatmuseum Einrichtungen, Geräte und Werkzeuge damaliger Albbewohner aus. Außerdem schildert sie selbst uns noch so viele wertvolle Hintergründe, dass wir es aus diesem Grund und in Anbetracht der Objektgröße doch vorziehen, nach der netten und aufschlussreichen Unterhaltung gleich weiterzufahren.

ETAPPE II – WINTERLINGEN / STRASSBERG / ALBSTADT
Mit wahrlich viel Freude am Fahren jagen wir jetzt wieder dem Führungsfahrzeug, welches sich  im Uhrzeigersinn um die Zollernalb bewegt, hinterher und Addi fotografiert in und aus allen Lagen. Auffallend und für uns alle ungewohnt ist die etwas karg wirkende Landschaft bei sichtbar nur geringer Bevölkerungsdichte. Auch und insbesondere die Ortsdurchfahrt Winterlingen berührt uns, seltsam ländlich erinnert sie an frühere Jahrzehnte.
Jetzt fahren wir weiter über Straßberg, indem wir – zugegeben, manchmal auf sicher nicht ganz offiziell erlaubten Wegen – die dortige Burg prima vor die Fotolinse bekommen. Burg Straßberg ist eine mittelalterliche Burg, die um 1150 errichtet wurde und deren natürliche Bausubstanz noch weitgehend erhalten ist.

Albstadt
Anschließend geht es nach Albstadt. Dieser Ort wurde 1975 im Rahmen der Gebietsreform durch den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden neu gebildet. Deshalb gehört Ebingen heute auch dazu. Mittlerweile ist Albstadt die größte Stadt im Zollernalbkreis und bildet das Mittelzentrum der umliegenden Gemeinden. Mit ihrer Gründung wurde sie zur Großen Kreisstadt erhoben.
Im Stadtteil Lautlingen sehen wir uns das Stauffenberg-Schloss und die dem Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg gewidmete Gedenkstätte an. Dem Lautlinger Familiensitz blieb Claus von Stauffenberg stets eng verbunden.

ETAPPE III – TAILFINGEN / MESSTETTEN
Wer denkt nicht zuerst an Textil, wenn er Alb hört. Das Maschenmuseum befindet sich in einem früheren Bauwerk der Textilmaschinenfabrik Mayer & Cie in Talfingen. Leider war das Museum bei unserem Besuch noch geschlossen (Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag, Sonntag, Feiertage von 14 bis 17 Uhr). Jedoch schon beim Hineinschauen wird klar, dass die Räumlichkeiten sicher eine authentische Atmosphäre der früheren Arbeitswelt vermitteln. Hier lässt sich vieles zur Geschichte der Maschenindustrie, angefangen bei der landwirtschaftlichen Selbstversorgung bis hin zu den frühindustriellen Produktionsmethoden erfahren, so die Website Talfingens.

Apropos Website: Erst im Nachhinein sollen wir auf diese Weise erfahren, dass auch die Motorradfahrern – uns  spätestens über Touratech – bestens bekannte Firma Kahedo hier auf der Zollernalb, sozusagen direkt unter der Burg Hohenzollern, in Bisingen produziert. Und eben nicht, wie es der Name eher vermuten ließe, irgendwo in Südostasien.

Meßstetten
„Was wollen wir denn an dem Wasserturm?“,  meinte Addi. Bei unseren Recherchen über Meßstetten brachten wir nämlich in Erfahrung, dass dieser Wasserturm, auf 992 Metern gelegen, bei guten Sichtverhältnissen einen faszinierenden Ausblick mit Alpenfernsicht bietet. Deshalb heißt es jetzt, einfach kurz ranfahren und besagten Turm wenigstens per Bild festhalten. Geöffnet ist er leider nur am Wochenende, und das auch nur bei gutem Wetter. Ab hier ist es nun auch nicht mehr weit zum nächsten Höhepunkt unserer Tour, was diesmal fahrtechnisch gemeint ist, denn vor uns liegt der Lochenpass.

ETAPPE  IV – LOCHENPASS / BALINGEN / GEISLINGEN
Der Lochen, wie man ihn hier nennt, ist heute am Wochenende nur von Süden her kommend in Richtung Norden hinab befahrbar. Wir erklären uns dies so, dass die anspruchsvollere und damit beliebtere Strecke die entgegengesetzte ist. Zudem die Anwohner am Wochenende eben auch etwas Ruhe walten lassen möchten. Franz und mir ist dieser eher nur regional bekannte Pass noch sehr gut in Erinnerung, haben wir den Lochen doch letztes Jahr zum ersten Mal auf unserer Allgäu-Hintour (siehe Magazinnummern 78 und 79) kennengelernt. Wir kamen von Norden, also ging es den Pass hinauf. Es war schon spät am Abend, entsprechend dunkel und noch dazu bewegten sich die Temperaturen an der Frostgrenze, es herrschte also eine Eiseskälte. Dennoch ist uns der Lochen aufgrund seiner wunderschönen, lang gezogenen, an das Stilfzer Joch erinnernden Serpentinen im Gedächtnis geblieben. Heute nehmen wir uns also die Zeit, den Pass von Süden, sprich: von Tieringen aus, aufzurollen und ihn ein bisschen gründlicher zu studieren. Die schöne und, bei landschaftlich wunderschönem Umfeld, vor allem breit ausgebaute Straße lässt jedes Motorradfahrerherz gleich höherschlagen. Auf der gegenüberliegenden Seite in Weilstetten angekommen, produzieren wir gezielt auch gleich noch einige Fotos mit Motiveinstellungen, die einer gefälligen Weiterempfehlung sicher dienlich sind.

Balingen
Hier machen wir Halt am imposant aussehenden Balinger Zollernschloss. In diesem spätmittelalterlichen, ursprünglichen Residenzschloss und gleichzeitig Stadtburg der Grafen von Zollern-Schalksburg befindet sich heutzutage unter anderem auch das Waagenmuseum. Der größte Balinger Industriebetrieb, die Firma Bizerba, hat der Stadt dafür eine wohl weltweit einmalige Sammlung als Dauerleihgabe überlassen.

Geislingen
Per kurzem Stopp am Wasserschloss in Geislingen, dem Wahrzeichen dieser Stadt, schließen wir die eigentliche Alb-Rundtour, unsere Route um den Zollernalbkreis, ab. Mit einem super Gefühl, unzähligen neu entdeckten Motorradstrecken und vor allem eines Besseren belehrt, was das landschaftlich Reizvolle dieser südwestdeutschen Mittelgebirgsregion, der Schwäbischen Alb, betrifft, machen wir uns auf den Weg zurück in Richtung Schwarzwald.

ON TOUR – Track 3 RÜCKTOUR

FAST IN EINEM RUTSCH
Uns auf die nur noch knapp 100 vor uns liegenden Kilometer freuend, wählen wir die nur etwas südlicher verlaufende Route parallel zur Hinstrecke. Los geht‘s! Was folgt, ist eine durchgängig kurvenreiche Heimfahrt bei schönstem Wetter. Mit einem des Öfteren wehmütigen Blick zurück genießen wir die flotte und rausche Fahrt auf unseren beiden während der ganzen Tour super funktionierenden Motorrädern. Mit der Sonne über uns stehend, da es ja in Richtung Westen geht , macht Addi weiterhin fleißig Fotos von uns beiden – sei es parallel, versetzt oder hintereinander fahrend, wie es eben gerade passt. Einmalig ist es, dass sich die Burg immer wieder, auch noch bis weit hinein in den Landkreis Freudenstadt, zeigt. Erhaben und majestätisch thront sie da oben auf ihrem Zollerberg. Mach‘s gut, Burg Hohenzollern!

Beim Seeheiner an der Erzgrube
Inzwischen sind uns die Wege natürlich schon wieder etwas geläufiger und wir fahren durch das schöne Dießener Tal südlich an Freudenstadt vorbei. Dorthin werden wir nachher vereinbarungsgemäß auch den Mietwagen zurückgeben lassen, denn gleich morgen früh geht es für die Stralsunder schon wieder zurück nach Norddeutschland an die Ostsee. Zugegeben, aufgrund der guten Ortskenntnisse um Freudenstadt – gewissermaßen Werners Hotelheimat, denn hier hat er gelernt – werden wir jetzt allemal ein bisschen zu schnell. Für das immer noch vorauseilende Führungsfahrzeug ist dies allerdings kein Problem. Eigentlich hätten wir es uns auch denken können: Kurz vor der Haustür, beim Seeheiner, dem Szene-Biker-Treff schlechthin, fährt Pitty noch einmal ran. Natürlich werden wir vom Wirt persönlich begrüßt, das versteht sich. Da es mittlerweile schon späterer Nachmittag und noch dazu etwas kälterer Wind aufgekommen ist, stehen bei Weitem auch nicht so viele Motorräder vor Tür, wie sonst sonntags üblich. Mit heimatlichem Blick auf die Nagold-Talsperre setzen wir uns noch gemütlich auf ein alkoholfreies Weizen hin, bevor wir dann die letzten paar Meter von hier nach Hause rollen. Nur eine gute halbe Stunde dauert die Fahrt. Zuerst geht es durch das eng gewundene Schorrental, vorbei an dem direkt zur Straße gelegenen Sägewerk, dann hoch nach Besenfeld auf die B 294 und danach gleich links ab durch das Poppeltal nach Enzklösterle. Zum Schluss fahren wir einfach immer das große Enztal flussabwärts, vor bis nach Bad Wildbad.

Ankunft im Aparthotel Schwarzwald Panorama Bad Wildbad
In Bad Wildbad sind wir schon angekündigt und werden dort von unserer Schwägerin herzlich empfangen. Ein typisches Schwarzwälder Stiefelbier, diesmal selbstverständlich nicht alkoholfrei, steht auch schon bereit. Wir klatschen alle vier ab und freuen uns über diese insgesamt hervorragend gelungene große Wochenendtour. Ein Tisch zum Abendessen im Berghof in Enzklösterle ist ebenfalls schon reserviert und wir dürfen uns sicher auf ein dort gewohnt gutes Abschlussessen freuen. Motorradfreunde aus der Schweiz, die gerade auf Urlaub in Bad Wildbad sind, stoßen später dazu und stolz können wir von unserer Rundtour auf der Zollernalb erzählen. In Gedanken wird uns diese Reise sicher nicht so schnell loslassen, und damit ist gewiss nicht nur die Einkehr in der dortigen Krone gemeint. Die Alb wird ab jetzt immer wieder einmal der Grund einer Motorrad-Ausfahrt für uns sein. Im Übrigen wollen wir uns ohnehin die Zeit nehmen und, die Zollernalb ergänzend, in zwei Abschnitten den mittleren und den nördlichen Teil der Alb erkunden.
Denn wie sagte kein Geringerer als der größte deutsche Dichter im Jahr 1797 auf seiner Reise in die Schweiz durch Bisingen-Steinhofen bei Hechingen – und mit seinem Ortsteil Zimmern zugleich offizielle Gemarkung der Burg Hohenzollern: „Wir haben genug Zeit, wenn wir sie nur richtig verwenden.“ (Johann Wolfgang von Goethe)